Donnerstag, 13. August 2009

Lang ist's her...

...dass ich zuletzt gebloggt habe. Zugegeben - es ist nicht soooo viel Spannendes passiert und mir war auch nicht gerade danach, wegen jedem kleinen, popligen Vorfall einen neuen Post zu erstellen...

Aber jetzt gibt's wieder was zu erzählen!!! Um ein wenig Spannung aufzubauen, nebenstehend mal ein Screenshot meiner Anruferliste von letzter Nacht - klar erkennbar, dass ich gestern bei der Polizei-Notrufzentrale angerufen habe und kurz danach von eben dieser wieder zurückgerufen wurde. ;) Wie es dazu kam? Naja, erst einmal möchte ich generell vom gestrigen Tag erzählen.

Ich hab mich mit Lisa, einer supertollen Freundin aus Erding (mit dem Zug von hier aus ca. 1h Fahrt), getroffen, nachdem sie vor einigen Monaten nach München kam, um wiederum mich zu besuchen. In der S-Bahn musste ich feststellen, dass die Bahn an Endstationen lustige Durchsagen im Zug hat, die ich noch nie gehört habe:

Nächster Halt: Eeeeerding. Sehr verehrte Fahrgäste, dies ist die Endstation, bitte alle aussteigen. Wir bedanken uns, dass Sie mit der S-Bahn München gefahren sind."
Fand ich nett und lustig, v.a. wie lasziv das "Eeeerding" von der Dame ausgesprochen wurde.


In Erding...

Gegen 17 Uhr kam ich dann in Erding an (Lisa musste bis 16h arbeiten, deshalb ging's nicht früher) und nach der Begrüßung führte sie mich ein wenig durch Erding, wo wir auch auf der Suche nach einem Lokal zum Speisen waren, da wir beide den ganzen Tag noch nichts gefuttert hatten. Das fanden wir letztendlich auch bei guter bayerischer Küche. Für uns beide gab es dann ein "Schwabenpfandl" (so viel zum Thema bayerisch :D), was allerdings sehr gut war (natürlich... schwäbisch eben). Dabei überreichte ich Lisa auch gleich mein "Gastgeschenk", nämlich eine Flasche Württemberger Weines vom Eisele. Da sie aber meinte, alleine Wein zu trinken sei doof, zauberte ich aus meinem Rucksack auch noch ne Packung Traubensaft, um später zumindest den Schein zu wahren, wir würden mit dem gleichen Getränk anstoßen! :D

Nach dem Schmausen gingen wir dann noch ein wenig durch die Fußgängerzone und begaben uns nach ner Weile dann Richtung ihr Zuhause (auch mindestens nochmal 20 bis 25min Fußweg), wobei ich ihre Schule sehen konnte (meine war schöner :p) und den Erdinger Park durchquerte. Schon ein schöner Flecken...

Bei ihr daheim

Als wir dann gegen 20 Uhr bei ihr ankamen, spielten wir erst mal ein bisschen Wii (ist ja mal echt endgeil... dass die Steuerung so bewegungsempfindlich ist hätte ich ECHT nicht gedacht - aber ich wurde ja schon bei meinem iPhone damals überrascht!), bei dem sich schnell zeigte, wer bei Mario Kart den Hammer in der Hose hat... nämlich sie! -.- Allerdings muss man sagen, dass ich das letzte Spiel, bevor wir um 20.15h dann auf Pro7 schalteten, um Grey's Anatomy zu verfolgen, gewonnen habe *muahaha*.

Vor, während und nach GA haben wir natürlich gelabert ohne Ende über Gott und die Welt (eher über die Welt, über Gott und den Glauben haben wir beim Essen philosophiert :D). Später dann sind wir nochmal ne Runde nach draußen und ums Viereck spaziert, weil man so tolles Wetter momentan ja ausnutzen muss und es ein schön lauter... äh, lauer und angenehmer Abend war (und ich hab mich doch richtig entschieden, ein Hemd über mein T-Shirt zu ziehen *muahahaha*).

Wii ist toll, Sport ist doof, Eis ist toll

Wieder bei ihr zurück spielten wir noch ne Runde Wii-Sports, wo ich... hm... naja... sagen wir einfach, dass das Spiel wohl doch mehr mit realem Sport zu tun hat als man denkt, wenn man das Ergebnis betrachtet (obwohl sie schon beim 3. Glas Wein war und ich erst beim 2. Glas Traubensaft). *schnell weiter im Text* Danach gab's dann erst mal ne Schüssel leckeres Vanille-Eis mit Schokostreuseln, nachdem sie mir am Tag zuvor vor die Nase hielt, dass sie grad ebensolches essen würde und ich doof dasaß und mein Tiefkühlfach genauso leer war wie mein restlicher Kühlschrank... da fällt mir ein, ich sollte endlich mal einkaufen... hm... nach dem Blog... vielleicht...

Wie auch immer, es war mittlerweile gegen 23.30h und sie machte sich das erste Mal Gedanken darüber, dass der Fußweg zum Bahnhof ziemlich blöd ist, da er fast komplett unbeleuchtet ist (insg. 2,3km, davon das meiste zwischen Feldern und Äckern entlang)... und sie allein im Dunkeln Angst bekommt. Somit war die ursprüngliche Idee, dass sie mich zum Bf nach Aufhausen führt und von da an wieder alleine zurück geht natürlich nicht gerade optimal und für einen Gentleman wie mich *hust* natürlich ausgeschlossen. Auch die Option, erst am nächsten Tag zu fahren und bei Lisa zu übernachten stellte sich als unpraktikabel heraus: keine Wechselklamotten (ok, vernachlässigbar! :D), keine Kontaktlinsenlösung/-behälter (und wer weiß schon die genaue Konzentration der Kochsalzlösung auswendig?) und kein Kuscheltier. :(

Da wir ja allerdings noch genug Zeit hatten (mein Zug - der letzte - fuhr um 0.44h bereits ab), habe ich eine nicht ganz unumständliche Lösung vorgeschlagen, für die wir uns dann auch entschieden: sie zeigt mir den Weg, ich bringe sie wieder nach Hause und dann lauf ich den Weg nochmal alleine zurück. *g*

Auf dem Weg nach Aufhausen

Wir begaben uns also auf den Weg Richtung Aufhausen (von A nach C):

Größere Kartenansicht

Dank des Meteorstroms der Perseiden, um mal ein bisschen mit (gerade angelesenem) Astronomiewissen zu protzen, sahen wir gestern Abend auch einige Sternschnuppen (it's good to be in Southern Germany - nur dort war der Himmel laut Wetterexperten klar genug, um sie sehen zu können!). Lisa ging jedes mal ab wie ein Zäpfchen, wenn sie eine weitere sah. Der Wein? Wer weiß.... Immerhin schien dieser superlecker gewesen zu sein - wir Schwaben können eben doch alläs außa Hochdoitsch!

Von LEDs, Alkohol und röchelnden Hunden

Und nun zur spannenden Klimax der Geschichte (jaha, ich hab aus 14 *hüstel* Jahren Schule doch noch was mitgenommen). Bei obiger Karte sieht man ja den Punkt B mitten auf dem Weg von Pretzen (Wohngebiet von Erding) nach Aufhausen (auch'n Stadtteil Erdings). "Hinter" diesem Punkt, also auf der Straße südlich davon, sahen wir schon aus der Ferne ein helles Leuchten, das mich an das einer LED-Taschenlampe erinnerte. Lisa, deren Nerven durch die Dunkelheit schon ziemlich strapaziert waren, gefiel das gar nicht, aber die Person oder was auch immer das war, war ja schließlich von unserem Weg noch ein gutes Stück entfernt. Wir folgten der Straße also weiter um die Kurve und als sie mir dann erklärte, dass man nun einfach nur noch geradeaus müsste, hab ich vorgeschlagen, dass wir ja jetzt schon umdrehn können, den Rest würde ich später dann auch noch alleine schaffen.

Als wir dann kehrtmachten, bemerkten wir, wie das Licht von vorhin sich unserem Weg näherte und diesen kreuzte. Lisa panikte noch mehr, zumal von dem Licht her auch noch ein röchelndes Geräusch kam. Nicht gerade schön und ich hielt es zuerst für einen Hund oder ähnliches, während Lisa es für ein Husten hielt (sie sollte - zumindest ansatzweise - Recht behalten). Bei der ganzen Sache wunderte mich nur, dass das Licht extrem weit oben war - und wer hält ne Taschenlampe schon auf Kopfhöhe?

Das sich ungleichmäßig, holprig bewegende Licht verfolgend sah man recht schnell, dass die Person nicht wirklich in der Lage war, normal zu laufen, da das Licht sich immer wieder dem Boden näherte, gepaart mit einem holprigen Geräusch. Die Person hat's also immer wieder auf die Fresse gelegt. Nun muss man kein Genie sein, um sich in den Ferien nachts um 00 Uhr denken zu können, worum es sich dabei handelte. Rischdisch, es konnte ja nur ein Betrunkener sein.

Nachdem "das Licht" dann schön in die Felder plumpste und dann da blieb, sagte ich zu Lisa, ich würde mal nachsehn, ob da alles ok ist oder ob derjenige Hilfe bräuchte (standen ca. 30 bis 50m von ihm entfernt). Sie war da aber vollkommen dagegen. Was, wenn das ein Irrer ist oder mir was passiert oder ihr was passiert und sie will nicht allein warten, während ich zu dem Typen geh und es ist dunkel und so... Naja, in dem Fall konnte ich ihr aber leider ein paar angsterfüllte Minuten nicht ersparen und näherte mich mit iPhone als Taschenlampe bewaffnet dem Typen. Dieser lag in kurzer Hose, T-Shirt und einen Schlafsack "um sich gewickelt" schön zwischen Gras und Mais, neben sich die Erklärung, warum das Licht auf Kopfhöhe zu sein schien:



Talking to an Alki...

Ich fragte den Kerl, ob alles in Ordung sei (was eher eine rhethorische Frage war) und ob er Hilfe bräuchte (rhethorisch...). Der Dialog sah in etwa wie folgt aus:

Ich: "Alles in Ordnung?"
Er: "Nein"
Ich: "Kann ich Ihnen helfen?"
Er: "Nein?"
Ich: "Ist Ihnen kalt?"
Er: "Nein"
Ich: "Brauchen Sie wirklich keine Hilfe?"
Er: "Doch!"
Ich: "Soll ich jemanden anrufen?"
Er: "Nein"

Er lallte, dass er nach Hause will aber nicht kann, weil er alle 2m hinfällt (woran das wohl lag? o_O) und dass er in Altenerding wohnt (ca. 6km von dort). Ich fragte ihn, ob ich jemanden anrufen soll... Taxi, Krankenwagen, sonst jemanden. Er lallte weiter, dass er keinen Krankenwagen oder keine Polizei zahlen würde, seine Eltern sollen auch keinen Stress bekommen und er muss seinen Kumpel Andi anrufen, wenn er daheim angekommen ist. Während dieses... interessanten Gespräches lag er weiter auf dem Bauch im Gras und unterhielt sich eher mit dem Mais als mit mir.

Ich habe dann das einzige gemacht, was mir in dem Moment richtig erschien: Ich habe seine Taschen durchsucht und ihm Handy und Geldbeutel geklaut!


Die Polizei - dein Freund und Standortsucher

...nein, natürlich nicht. Denn jetzt kommen wir zur oben abgebildeten Anrufliste: ich hab den Polizeinotruf gewählt, nachdem ich wieder zu Lisa zurück bin und ihr sagte, was da für ne Überraschung im Gras liegt. :D Habe dem Beamten gesagt, was passiert ist und grob beschrieben, wo wir uns befanden (gar nicht mal so leicht, wenn um einen herum fast nur Felder sind). Einigermaßen konnte ich's dann aber doch beschreiben und er meinte, er würde die Kollegen verständigen und sich in "maximal 2min wieder melden". 7 Minuten nach Ende des Gesprächs rief er dann wieder an (das war dann der anonyme Rückruf - schade eigentlich, dass die Polizei Rufnummernunterdrückung hat ;) und erklärte, dass eine Streife in 5min da sein müsse. Ich hab gesagt, dass wir so lange warten, damit die Kollegen ihn auch finden.

Zwischen Anruf und Rückruf überzeugte ich den Alki davon, dass es doch besser sei, wenn er sich auf den Asphalt legt als dort im kalten und nassen Gras rumzuliegen. Sah er auch ein, zog sich an einem Schild an der Straße (diese rot-weißen, die eine Kurve anzeigen) nach oben und fiel mit Schwung wieder schön auf die Schnauze, diesmal wenigstens nicht im Gras. Nach ein wenig Smalltalk über Gott und die Welt (aus dem ersichtlich wurde, dass er 16 Jahre alt ist und Michael M. heißt) kam dann auch endlich ein Auto, was sich tatsächlich als Polizeiwagen herausstellte.

Die Kollegen erkannten zum Glück direkt, dass es sich bei dem anderen Jungen und nicht bei mir um den Betrunkenen handelte, v.a. nachdem er nach hinten stolperte, fiel und erst mal schön mit dem Schädel gegen das o.g. Schild donnerte. Da es mittlerweile schon ca. 00.20h war und der Plan mit dem einmal zum Bf, einmal zurück, einmal wieder hin zeitlich nicht mehr praktikabel war, schlug ich Lisa schon vorher vor, dass die Beamten sie doch einfach schnell nach Hause fahren sollen, dann kann ich die letzten Meter vollends allein zum Bf laufen. Das fragten wir die Beamten dann auch und sie sagten, das sei kein Problem.

Ich verabschiedete mich also und begab mich dann Richtung hell erleuchtetem Aufhausen, wobei ich noch minutenlang hörte, wie am Polizeiwagen mit dem Alki diskutiert wurde (was genau weiß ich NOCH nicht) und sie noch eine ganze Weile dort standen.

Später schrieb mir Lisa noch ne SMS, dass sie daheim angekommen ist und es wohl noch ein ziemliches Drama war, was sie mir heute noch erzählen wird. Selbstverständlich werde ich berichten, worum es sich dabei handelt (bin selbst schon gespannt).

Naja, und so ging ein wunderschöner Tag mit einem Hauch Adrenalin am späten Abend zuenede.

...und nun sollte ich einkaufen gehn. ;) Bis zum nächsten Mal! =)

Ach ja: bei der Endstation der U-Bahn in Neuperlach hörte ich mal wieder die reizende Stimme: "Nächster Halt: Neuperlach Süd. Dies ist die Endstation, bitte alle aussteigen. Vielen Dank, dass sie mit der U-Bahn der MVV München gefahren sind!"

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